Kunzmeile
 
 
Wie lank is ne Meile? Komp drauf an: die englische is tausend-sexhunnat-neun Mehda, die Seemeile is tausend-fümfhunnat-zweiunachzich. Un Hambuichs sündige Meile is noinhundat-dreißich. Das is bekanntlich die Reeperbahn, unse Amisürmeile. Aba das giep noch mea. Jede Kleinstadt hat hoide ire Einkaufsmeile, alz Fußgengazone, aba davon hat Hambuich ja Dutznde in alle Statteile. Aba nu gieps noch was Noies was nich jedn hat: die Kunzmeile! Eimah im Jah his ‚Tach der Kunzmeile’, un denn kannzu füa drei Oiro üba’all rein. Iss billich aba kanzu gahnich alles schaffn. Iss ehbm n Lockvohglangebot, aba immahin.
 
Die Kunzmeile geht entlank n Stück von den altn Wallrink. Fenk an bein Obahahfn, denn Klosterwall, Steintorwall, Glockengießerwall. Kannz auch sahgn, am Deichtoa, denn Steintoa, schließlich Ferdinanztoa, wo di Lombatzbrügge anfenk. Der eaße Kunztempl sinti Deichtoahalln. Da wah früa Großmahk bissi zu klein wahn un denn gink der Grohßmahk pah hunnat Mehda weida Richtunk Hammabrook. Meißns zeign sie da Fodos, aba wijch noilich mah mitn Ballong hochgefahn bin der danehm feankat iss happich gesehn wie sie da pah komische Audos reingeschobn hahbm: n gekrümmtn Vauweh-Bus untn aufgepluhstatn Porsche: das wahn „Oppjekte“ von Erwin Wurm – der heiß weaklich so! Aba frahch mich nich wassas soll – iss possmodään oda so was. Konkrete Abschtraxion oda abschtrakte Konkrezjohn. Was weiß ich!
 
Gehßu üban Deichtoaplazz kommsu zuhn Kunstfeein, der iss auch inne ejemalige Mahkhalle. Da zeign sie auch haupsechlich aktuelle Künzla un mit büschn Glück finzu auch die Freie Akademie der Künze, die is da drüba unnan Dach und gieps auch Ausstellungn un Foatrehge unt Lehsungn. Gleich nehman issas Kunzhaus, da zeign sie meißns einheimische Künzla damit die auchma jemant sieht. Denn rüba üba die Bahn, denn stehßu voa den Öffntlichn Büchahalln wo früa die Poss wah un darum Hühnerpostn hieß. Gödeinzitut sizz da auch drin. Damit man sieht dassas auch was mit Kunz zu tun hat stehn davoa zwei bunt angemahlne riesige Schtatuen von ein Pah, von Balkenhol. Alz Nehßes komp Kunzungewääbe, aba in dehn Musejum zeign sie nich nua Kunzgewääbe sondan die werdn imma eageiziga und wolln soga ein ‚gesellschafflichn un gesellign Middlpunk’ von Hambuich sein. Wieso weißich auch nich. Aba die drei Oiro füa die ganze Meile sint schumma gut inweschtiat denn das Musejum allein koss nommal schon acht.
 
Denn komp eaßma Haupbahnohf – dascha auch schunn fass n kunzgewääplichn Oppjekt un Denkmal füa modääne Technik! Un denn die Kunzhalle. Eaß der klassizüstische Anbau mit den rundn Templ dran, denn der Oregenalbau von 1869, denn frein Plazz un denn n weißn Wöafl: die Gallarie der Gehgnwaht mitn unta’eadischn Febindunksgank. Unt forübagehnt dazwüschn nochn Wöafl, aba in Schwahz. Dassn Kunzwääk füa sich un soll ann Bilt von ein gewissn Malewitsch erinnan, mitn schwahzn Kwadrat un sonz nix.
Wallas aba noch mea anni Kaba in Mekka e’innat wo dschehdn Muhslmann eimah im Lehm hinmuß wolltn sie in feschiedene Stehte nich so recht ran, dachtn denn giepas fleich Erga middehn Moslems – kannzja nich wissen hoizutage ob die dagegn proteschtian oda doitsche Fahne febrenn! Unt Kunz issja frei, aba so frei nu auch wieda nich dass man deswehgn Erga riskian muß. Aba stellzichraus, die doitschn Moslemfe’eine haddn gahnix dagehgn. Iss ja auch nua schwahzes Tuch un nix dahinta.
 
Denn issi Kunzmeile zuende. Unt ich happ nachgemessn: diese Meile is zweitausnd-zweihundat-dreiunvitzich Mehda lank. Aba nu komps: du kennzoch die Bucerius-Gallarie. Die iss ganz woandas, nemmich aufm Rahthausmahk. Aba damit die sich nich so allein fühlt hatzi sich so mit angehenk anni Kunzmeile. Unt stellt denn Frida voa die Tüa dass man das auch mitkricht.
 
Un worüm das ganze Gemeile? Iss Mahketink! Wir lehm schließlich inna Mahkweatschaff unt da soll die Kunz nich abseiz stehn un auchn büschn was von appkriegn. 


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© JWS (2007)