Wussesdu dass die altn Hamburga mah alz Renntiajehga
angefangn hahbm? Alladink schun lange hea: zwanzichtausnd Schahre. Nich
so
lange hea iss dass mein ejemahlige Froindin auf Lehra studiat hat un
denn mahn
Praktikum in Heimatkunde machn mussde. Das gahps damahz noch. Undas
Tema wah:
die Renntiajehga von Meindorf! Da wusstn wia kaum wo Meindorf is.
Heiß eintlich
Mei-endorf un gehöat zu Rahlsteht. Unt bis da iss inna Eiszeit das
Eis aus
Schwehdn gekomm. Unt wo Eis iss iss zu kalt füa Mückn, un das
hahm die
Renntiere spitz gekricht, dassi da denn nich von gepiesackt werdn. Un
die
Renntiajehga hahbm das denn auch spitz gekrichd un sint denn Meindorfa
gewordn.
Bis das Eis dann wieda getaut iss un die Gletscha sich nach
Schkandinavien
zurückgezohgn hahbm. Undi Renntiajehga sint mitgezohgn unt sint
dann ehm
Schwehdn gewordn un schließlich Lappm, ziunksweise ‚Sahmn’, un
ziehn hoide noch
mit dehn Renntian rum.
Unnu mussu dia foastelln: Die Erde unnam
Eis is
werma assas Eis un denn schmilz das Eis von untn. Das Wassa kann aba
nich wech
und grehp sich denn ne Art Kanahl oda Tunnl un wenni Eiszeit zuende
iss, was
bleip ühprich? Das Meindorfa (oda auch Stellmoora) Tunnltal. Unt
da hahbm die
altn Meindorfa ihre Essnreste un Speaspitzn un Rentiaknochn aufm
Müll geworfn
unt füa di nehßn zwanzichtausnd Jahre fegessn. Bis Herr Rust
gekomm iss un
alles ausgegrahbm un eingesammlt hat. Deswehgn iss auch nix von nach.
Iss alles
im Musejum gelandet, un Herr Rust iss dafüa denn Professa füa
Aldatuhmswissnschaff gewordn. In Helms-Musejum in Habuich sammln sie
alles was
hia inna Gehgnt so angefalln iss un da kamman noch allalei Kleinkrahm
sehn dehn
die Loide damahz geschnizz hahbm. Aba wahn nich eppwa Neandatala: wahn
schunn
richtige Menschn vonna Apteilunk Homo sapiens. Könntest Du
praktisch mit einn
von hoide kroizn ohne dassas auffellt.
Noilich bin ich denn
ma hin nach Ahnzbuich unt happ
mia das Tunneltahl mah angekuckt. Iss natüch kein Tunnl mea wallas
Eis ja wech
iss. Aba auch sonz iss nix aussa altn Zeit zu sehn: Wiesn un Felda un
Welda un
fleich büschn Hühgl angedoidet. Aba iss kein Wunda: Die altn
Knochn lahgn ja
auch mehre Mehda tief. Lebendige Rentiere un Mammute wahn auch nich mea
da, aba
immahin happich n Iltis gesehn der da duich die Felda geschlichn iss –
sießu
auch nich alle Tahge. Aba issja auchn Natuaschutzgebiet, da kamman
schumma was
ewartn.
Was nun mein damahlige Froindin wah, die
hat denn
mit ihre Schüla n Renntialahga gebaut, wehgn Anschauunxuntarich,
tüllich
in klein, aufn Tisch, aufne Holzpladde, un da habm wia denn zuhause
füa geühp.
Alles mit Zelte un Lahgafoia un kleine Renntiere gebastlt. Renntiafell
krissu
ja hia nich mea, da habm wia Fohlnfell genomm. Sah ganz ech aus, wie ne
lapplendische Hantahbeit. Un wall noch was von dehn Fell ühprich
wah, happich
denn nochne Feifntasche von geneht gekrichd. Happich hoide noch,
oppwohl ich
schunn lange nich mea rauch. Aus Pieteht.
Unnuh: Übaraschunk! Ich happ doch was
gefundn in
Meindorf: n origenal Rentiaknochn mit eiszeitliche Zeichnung da’auf!
Von Renntiere
un wemman genau hinkuckt von Jehga in Pelz-Anorack mit Feil-un-Bohgn.
Ne
wissnschaffliche Sensatzjohn! Fleich werdich denn da auch noch Professa
füa! Aba
kannzdich wieda hinsezzn – wah nua Spahß! Hat mein Vadda damahz
gemachd damiddi
Kinda mah sehn dassi Frühmenschn auch schunn ne künzlarische
Ahda gehapp hahbm… |